Den Darm verstehen

  • Wenn Sie für jemanden sorgen, der unter einer Stuhlinkontinenz leidet, kann es für Sie hilfreich sein ein Grundverständnis dafür zu haben wie das Verdauungssystem funktioniert. Dieses ist vor allem in Gesprächen mit einer Gesundheitsfachkraft hilfreich.
    Das Verdauungssystem besteht aus dem Magen, dem Dünndarm und dem Dickdarm. Zusammen nennt man die beiden Letzteren auch Darm. Nahrung benötigt normalerweise 24 bis 72 Stunden, um durch das Verdauungssystem zu gelangen.
    Die Nahrung wird im Mund, dem Magen und dem Dünndarm verdaut und an die Blutbahn weitergegeben. Das übrige überschüssige Wasser wird über den Dickdarm vom Körper aufgenommen. Alles, was übrig bleibt (bekannt als Stuhl), wird über den Anus ausgeschieden, wenn man zur Toilette geht.

    Wie ein normaler Darm funktioniert

    Die Nahrung gelangt vom Magen in den Dünndarm, bevor sie durch den Verdauungstrakt zum Dickdarm transportiert wird. Der Dünndarm nimmt Nährstoffe und die meiste Flüssigkeit aus der Nahrung auf.
    Der Dickdarm verläuft vom Dünndarm zum Enddarm und zum Anus und seine Aufgabe ist die Lagerung, Verarbeitung und Entsorgung des Abfalls sowie die Aufnahme der restlichen Nährstoffe und Flüssigkeit. Der Schlüssel zu diesem Vorgang sind Millionen von Bakterien, die sich im Darm befinden, sowohl "gute" wie "schlechte". Der Enddarm kann den Abfall lagern, er ist jedoch meistens leer. Der Abfall wird über den Anus ausgeschieden.
    Sobald der Darm seine Aufgabe erfüllt hat und die Nährstoffe aus der Nahrung entnommen hat, wandert der Abfall zum Enddarm, der sich in Folge dessen streckt. Dadurch wird eine Nachricht an das Gehirn gesandt, die besagt, dass der Darm voll ist und geleert werden muss. Die Beckenbodenmuskeln und die Schließmuskeln des Anus sorgen dafür, sofern sie stark sind, dass dieser geschlossen bleibt bis man zur Toilette geht.
    Wenn man auf der Toilette sitzt, teilt das Gehirn über die Nerven den Schließmuskeln des Anus mit, dass diese sich entspannen sollen. Wenn sich die Muskeln entspannen, öffnet sich der Anus und der Enddarm wird entleert.

  • Ein gesunder Darm

      Es gibt einige Dinge, die eine Person, die Sie versorgen, unternehmen kann, um ihren Darm gesund zu halten. Zum Beispiel:

    • Auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten
    • Regelmäßige Bewegung
    • Ein allgemein gesunder Lebensstil

    Was sollte man essen?

      Eine ausgewogene Ernährung ist für die Person, die Sie versorgen, die beste Möglichkeit Darmprobleme zu vermeiden und ein gesundes Verdauungssystem zu erhalten. Man sollte folgendes versuchen:

    • morgens ein Vollkornfrühstück mit Getreide oder Haferflocken, dazu eine Hand voll Nüsse und Samenkörner und, falls möglich, etwas Obst essen
    • regelmäßig kleine Mahlzeiten zu sich nehmen
    • Weißbrot durch Vollkornbrot ersetzen

    • Ernähren Sie sich ausgewogen mit einer Mischung aus verschiedenen Nahrungsmitteln. Man sollte Mahlzeiten, die viele Ballaststoffe enthalten, wie Obst und Gemüse sowie stärkereiche Kohlenhydrate essen. Eine geringe Menge mageres Fleisch, Fisch, Eier und proteinhaltige Alternativen werden ebenfalls empfohlen als auch Milch und Molkereiprodukte
    • Das Essen von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten wird außerdem in Zusammenhang mit einem reduzierten Risiko auf bestimmte Krebskrankheiten, einschließlich der des Verdauungssystems, gebracht. Diese Lebensmittel besitzen viele Ballaststoffe, Antioxidanten und andere schützende Nährstoffe. Ausreichend viel zu trinken ist genauso wichtig wie die richtige Ernährung. Die empfohlene Mindestmenge an täglicher Flüssigkeitseinnahme für einen Erwachsenen beträgt 1,5 - 2 Liter (6 - 8 Gläser). Bei warmem Wetter und während des Sports sollte mehr getrunken werden. Urin sollte eine blass-strohige Farbe besitzen; wenn es tief-gelb ist, trinken Sie wahrscheinlich zu wenig
    • Kauen Sie immer ihr Essen sorgfältig und nehmen Sie kleine Bisse in den Mund. Dies hilft dabei Enzyme freizusetzen, die verdauungsfördernd sind, so dass die Nahrung gründlich verarbeitet und alle guten Stoffe entnommen werden können

      Folgendes sollte man vermeiden:

    • Seien Sie vorsichtig mit zu hohen Mengen an Ballaststoffen, da dieses zu Problemen mit zu lockeren Darmbewegungen führen kann, die schwer zu kontrollieren sind
    • Beschränken Sie Alkoholkonsum. Frauen sollten täglich nicht mehr als 2-3 Einheiten, Männer nicht mehr als 3-4 Einheiten trinken
    • Beschränken Sie die Mengen an gezuckerten und fetten Speisen. Wenn die Person, für die Sie sorgen, sich hungrig fühlt und eine Zwischenmahlzeit benötigt, bringen Sie sie dazu zwischen Nüssen oder Obst zu wählen
    • Versuchen Sie den Verzehr von großen oder fetten Mahlzeiten vor dem Schlafen zu vermeiden

  • Übungen für eine gute Darmkontrolle

    Die Person, für die Sie sorgen, kann ihre Darmkontrolle verbessern, indem sie regelmäßig Übungen zur Stärkung der analen Schließmuskeln durchführt. Das festigt die Muskeln, so dass die Unterstützung, die die Muskeln bieten, verbessert wird. Es führt zu einer verbesserten Darmkontrolle und eine Beendigung von unbeabsichtigtem Entweichen von Winden oder von Stuhl. Wie alle anderen Muskeln im Körper werden die Schließmuskeln stärker je mehr sie benutzt und trainiert werden.

    Lernen wie man die Übungen durchführt

    Es ist zunächst wichtig zu lernen wie man die Übungen korrekt durchführt. Danach sollten Sie von Zeit zu Zeit prüfen, ob sie noch immer ordnungsgemäß durchgeführt werden.

    Wie man die Übungen durchführt

      Zunächst müssen Sie der Person, für die Sie sorgen, wahrscheinlich bei der Durchführung dieser Übungen helfen, aber wenn möglich sollten Sie versuchen zu erreichen, dass die Person die Übungen selbständig durchführt. Die folgenden Schritte sollten aus einer sitzenden Position durchgeführt werden:

    1. Man sollte sich vorstellen einen Wind, der aus dem Darm entweicht, aufzuhalten – Anspannen, durch ein Zusammendrücken und Anheben des Muskels rund um den After, und spüren wie sich der Muskel nach oben bewegt. Man sollte die Haut rund um den After spüren wie diese angespannt und vom Sitz weg nach oben gezogen wird
    2. Jetzt sollte man sich vorstellen, dass man Wasser lässt, und die Muskeln der Vagina oder des Penis anspannen als wollte man den Strom aufhalten
    3. Zum Schluss versucht man Schritt 1 und 2 gleichzeitig durchzuführen. Zunächst die Muskeln rund um den After anspannen, dann die Kontraktion langsam nach vorn ausweiten - das Zusammendrücken und die Aufwärtsbewegung spüren, die sich daraus ergibt. Man sollte diese Kontraktion einen kurzen Moment anhalten und sich danach komplett entspannen, bevor man diese Übung wiederholt

    Anmerkung: Wenn man stark drückt, kann man dieses nur ein paar Sekunden lang halten, da der Muskel schnell ermüdet. Das hilft langfristig nicht so gut. Man sollte etwas leichter drücken und spüren wie man damit den Zustand länger anhalten kann als bei einem maximalen Drücken. Dieses trainiert den Umgang mit starkem Andrang auf dem Weg zur Toilette.


      Was man nicht tun sollte:

    • die Gesäßmuskeln anspannen
    • einatmen und die Luft (zu lange) anhalten
    • die Unterleibsmuskeln anspannen

    Wenn man dieses feststellt, wird die Übung nicht korrekt ausgeführt.


      Tipps für die Übungen:

    1. Zunächst ist es wahrscheinlich eine gute Idee eine feste Zeit für diese Übungen zu reservieren, in der man sich darauf konzentrieren kann diese gut durchzuführen. Die Zeit, die Sie in die pflegebedürftige Person in diesem Stadium investieren, wird sich später bezahlt machen
    2. Versuchen Sie die Person dazu zu bewegen die Übungen zur Gewohnheit werden zu lassen und immer dann auszuführen, wenn sie z. B. liest oder telefoniert
    3. Die zu pflegende Person sollte die Muskelkraft einsetzen, sobald sie zur Toilette muss und Drang verspürt. Denken Sie daran, dass ein leichtes Zusammendrücken, das man länger anhalten kann, besser ist, da man damit immer mehr Kontrolle ausüben kann
    4. Achten Sie auf das Gewicht der Person, da Übergewicht unnötigen zusätzlichen Druck auf die Muskeln ausübt
    5. Auch wenn sich die Situation verbessert, sollte man die Übungen einige Male am Tag fortsetzen, um sicherzugehen, dass das Problem nicht zurückkehrt

    Beckenbodenübungen

    Beckenbodenübungen sind für die Person, für die Sie sorgen, wichtig, da die Übungen die Beckenbodenmuskeln stärken und somit die Darmkontrolle verbessern. Wie alle anderen Muskeln im Körper wird der Beckenboden kräftiger je mehr er benutzt und trainiert wird. Weiterlesen ...

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